Der Flug von Sojus 29

 

Die Sojus 29 - Kapsel, mit der Sigmund Jähn aus dem Weltall zurückkam, ist im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden ausgestellt.

 Die Sojus-Kapsel. Bild: ©MHM.

Das Sojus-Programm

Ursprünglich diente es militärischen Zwecken. Im Verlauf der Zeit wurde es zunehmend auch für zivile Zwecke genutzt. Noch heute werden Sojus Raumkapseln in weiterentwickelten Versionen genutzt. Die im Militärhistorischen Museum ausgestellte Sojus 29 ist ein berühmtes Raumschiff. 1978 brachte es Sigmund Jähn - den ersten Deutschen im Weltall - sicher zurück zur Erde. Die Sojus 29 gehörte unter der Typ-Bezeichnung Sojus 7K-T zur zweiten technologischen Generation von Sojus Raumschiffen. 30 Sojus wurden zwischen 1972 und 1981 in den Weltraum geschickt.

Beim Start wog das Raumschiff knapp 6,8 Tonnen (heutige Gewicht ca. 2 Tonnen) und bestand aus drei Modulen, der Orbitalsektion, der Gerätesektion und dem Landeapparat. Letztere wird umgangssprachlich auch als Raumkapsel bezeichnet. Mit ihren drei Modulen startete die Sojus 29 am 15. Juni 1978 mit den beiden sowjetischen Kosmonauten Wladimir W. Kowaljonok und Alexander S. Iwantschenkow zur Raumstation Saljut 6. Die Hinflüge zur Raumstation dauerten vergleichsweise lang. Die beiden Kosmonauten mussten in dem 3,8 Kubikmeter großen Raum mehr als 24 Stunden ausharren.

Am 26. August startete Sojus 31 mit den beiden Offizieren Waleri F. Bykowksi und Sigmund Jähn an Bord, um sieben Tage auf der Raumstation Saljut 6 zu arbeiteten. Am 3. September 1978 wurde der Landeapparat von Sojus 29 für die Rückkehr von Bykowksi und Jähn zur Erde genutzt. Damit war Sojus 29 knapp 80 Tage im Weltall gewesen. Die erlaubte Höchstnutzungsdauer betrug 90 Tage.

Foto: Der sowjetische Kosmonaut Iwantschenko an Bord von Saljut 6 fotografiert 1978 von S. Jähn. ©Jähn/MHM

Die Rückkehr zur Erde

Am 3. September 1978 um 11:20 Uhr Moskauer Zeit dockte Sojus 29 von der Raumstation Saljut 6 ab. Die Geschwindigkeit betrug dabei 8 Kilometer pro Sekunde (28.800 km/h). Um 13:51 Uhr zündeten die Bremstriebwerke, die exakt 215,3 Sekunden die Geschwindigkeit der Kapsel verlangsamten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Raumschiff über dem Atlantik und noch 10.000 km vom Landepunkt entfernt.

Um 14:04 Uhr wurden die Orbital- und Gerätesektion abgesprengt, die daraufhin in der Atmosphäre der Erde verglühten. Sojus 29 befand sich dabei über dem Sudan in 120 Kilometer Höhe. Um 14:18 Uhr begann die „heiße“ Phase des Abstieges in 70 Kilometern Höhe mit rund 1,2 Kilometer pro Sekunde (4320 km/h) Geschwindigkeit.

Ein der Erde zugekehrter Hitzeschild schützte die beiden Kosmonauten vor den extremen Außentemperaturen um 3.000 °C, die durch die Reibung an der Kapsel an der Erdatmosphäre entstanden. Außenbauteile wie Antennen verglühten. In der Kapsel stieg die Temperatur aber nur von 20°C auf 22 °C. Durch das starke Abbremsen lastete auf den beiden Kosmonauten das fünffache Normalgewicht. Um 14:19 Uhr riss der Funkkontakt ab. Um 14:23 Uhr konnte der Funkkontakt wieder hergestellt werden.

Ab 14:25 Uhr entfaltete sich der Hauptfallschirm in 10 Kilometer Höhe, wodurch sich die Geschwindigkeit von 864 km/h bis auf 22 km/h in 4,5 Kilomenter Höhe verringerte. Zwischenzeitlich wurde der Hitzeschild abgesprengt. Um 14:40 Uhr zünden in einer von einem Meter nochmals kurz die Bremstriebwerke um die Kapsel auf circa 10 km/h abzubremsen. Kurz darauf erfolge eine harte Landung, da sich der Fallschirm nicht wie vorgesehen von der Kapsel gelöst hatte. Sigmund Jähn erlitt dabei bleibende Schäden an der Wirbelsäule.

Sojus 29 nach dem Flug bis heute

Den Landeapparat von Sojus 29 schenkte die Sowjetunion der NVA für eine Ausstellung im Armeemuseum in Dresden. Im Armeemuseum wurde Sojus 29 zunächst in einer sehr erfolgreichen Sonderausstellung ab 1978 gezeigt. Dabei mussten die Museumsmitarbeiter die Raumkapsel mit einem feinmaschigen Netz versehen, um Souvenirjäger davon abzuhalten, die Kapsel zu beschädigen. Später wurde sie in der Dauerausstellung präsentiert, wo sie heute noch im Bereich „Militär und Technologie“ im Libeskind-Keil zu sehen ist.

Autor: Jens Wehner, Historiker und Sachgebietsleiter Bildgut im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.